Biologie und Schutz gefährdeter wandernder mitteleuropäischer Fledermausarten am Beispiel von Rauhhaut- und Teichfledermäusen

Ergebnisse eines Seminars vom 02.12. bis 03.12.1999
Einleitung

Mit der Rauhhaut- und der Teichfledermaus standen zwei heimische Fledermausarten im Mittelpunkt des Seminars, die im Laufe des Jahres großräumige Ortswechsel auch über europäische Ländergrenzen hinweg durchführen. Beiden Arten, die sich in ihrer Biologie und Ökologie deutlich unterscheiden, ist ferner gemein, daß sie über nationales und internationales Naturschutzrecht besonders geschützt sind. Zum Zeitpunkt als die Veranstalter die Initiative zu diesem Seminar ergriffen, war nicht absehbar, daß die Berner Konvention einen Aktionsplan für die Teichfledermaus beauftragen und das europäische Regionalabkommen zum Schutz der Fledermäuse (EUROBATS) die Rauhhaut- und Teichfledermaus zu prioritären Arten erklären würde. Damit einhergehend beschloß die zweite EUROBATS-Vertragsstaatenkonferenz grenzüberschreitende Erhaltungsprogramme.

Für die Umsetzung und Koordinierung der Programme zeichnet das EUROBATS-Sekretariat in Bonn verantwortlich. Zur dritten Vertragsstaatenkonferenz, die im Jahr 2000 in Bristol stattfinden wird, berichtet das EUROBATS-Sekretatriat über den aktuellen Sachstand. Da die beschlossenen Programme die Finanzierungsfragen offen lassen, keine zeitlichen Vorgaben machen und letztendlich auch die personelle Ausstattung der EUROBATS-Sekretariat ungenügend ist, sind die Chancen für eine zügige und erfolgreiche Ausarbeitung detaillierter, umsetzungsfähiger Konzepte nicht günstig zu beurteilen.

Vor diesem Hintergrund verfolgte die von zahlreichen Fledermausforschern und Fledermausschützern aus West- und Osteuropa besuchte Veranstaltung das Ziel, die vorhandenen Kenntnisse zusammenzutragen sowie Anregungen und Ideen für "smarte" Schutzprogramme zu geben.

Der saisonale Wechsel des Lebensraumes bei Fledermäusen

Wichtig für das Verständnis der großräumigen Ortwechsel, die die Teich- und Rauhhautfledermäuse, ebenso wie zahlreiche andere Fledermausarten auch, im Laufe eines Jahres durchführen, ist die Auseinandersetzung mit den Ursachen dieses Verhaltens. Am Beispiel des großen Abendseglers stellte Karl Kugelschafter (AK Wildbiologie, Universität Gießen) heraus, daß es sich bei dem sogenannten Zug, anders als bei Zugvögeln, nicht um ein endogen ausgelöstes Migrationsverhalten, sondern um großräumliche Ortsbewegungen als Reaktion auf die aktuellen Witterungsbedingungen, handelt.

Fledermäuse sind, ebenso wie andere Säugetiere auch, ausgesprochene Traditionalisten. Erfolgreiche Überwinterer versuchen deshalb mit hoher Stetigkeit an den Ort ihres Erfolges zurückzukehren. Diese Kenntnis wird offensichtlich über drei Mechanismen an Jungtiere tradiert: (1) die spätsommerliche Erkundungsphase, (2) die Rückkehr der Jungtiere in ihr Geburtsquartier, (3) den gemeinsamen Flug von Jungtieren und ortskundigen Alttieren in das Winterquartier. Bei den z.T. großräumigen Ortswechseln dürfte es sich demzufolge um eine individuelle Verhaltensanpassung und eine Anpassung an die zeitlich-räumliche Verteilung der Ressourcen handeln.

Zu Teil 1: Zur Biologie und Ökologie der Rauhhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) sowie Handlungsempfehlungen für den Schutz

Zu Teil 2: Zur Biologie und Ökologie der Teichfledermaus (Myotis dasycneme) sowie Handlungsempfehlungen für den Schutz

Weiterführende Links

The Agreement on the Conservation of Bats in Europe (Eurobats) - Homepage

Publications on Bats (weltweite Literaturrecherche)

Überblick über die Adressen von Fledermausschutz-Organisationen in Deutschland

SSF - Stiftung zum Schutze unserer Fledermäuse in der Schweiz

Bat Conservation Trust (London) - Homepage

bmu.jpg (2319 Byte)

Die Tagungsveranstaltung wurde vom Bundesamt für Naturschutz aus Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert. Die Veranstaltungsinhalte und -ergebnisse geben nicht unbedingt die Meinung des Bundesumweltministeriums, des Bundesamt für Naturschutz oder des Naturschutzbund Deutschland (NABU) wieder.